Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats Juni 2020

  

Zum 210. Geburtstag von Robert Schumann
(geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau, gestorben am 29. Juli 1856 in Bonn-Endenich)

Eines der berühmtesten Paare der Musikgeschichte

Im Jahr 1828 lernte der 18-jährige Robert Schumann als Klavierschüler im Hause Friedrich Wiecks die neunjährige älteste Tochter Clara kennen, die damals als pianistisches Wunderkind galt. Als Clara 16 Jahre alt wurde, kamen sich beide näher und es gelang den Liebenden, trotz der vielfältigen Versuche des strengen Vaters Wieck, das Verhältnis zu unterbinden, sich immer wieder zu sehen und auch brieflich in Kontakt zu bleiben. Die heimliche Verlobung erfolgte im August 1837. Clara verließ den väterlichen Haushalt nach einer Konzertreise nach Paris im Jahre 1839, im August desselben Jahres reichte das Paar Klage auf Genehmigung der Eheschließung beim Amtsgericht Leipzig ein, der ein Jahr später, gegen den Willen Friedrich Wiecks, stattgegeben wurde.

 

Eigenhändiger Brief von Robert Schumann

 

SCHUMANN, Robert: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift. Leipzig, 5. August 1840. Quart. 1 Seite. Doppelbogen. Mit Anschrift.

5.000,-

Empfehlungsschreiben für seine Braut, die sich auf ihrer letzten Konzertreise als Clara Wieck befand. An Frau Henriette von Pogwisch (1776-1851), Weimarer Hofdame und Mutter von Goethes Schwiegertochter Ottilie gerichtet. "Meine Braut, deren Namen Sie wohl schon kennen, wie Ihre Tante Madame [Emilie] Carl von hier wünschen Ihnen durch mich vorgestellt [zu] werden. Die gütige Aufnahme, die mir vor drei Jahren in Ihrem verehrten Hause wurde, läßt mich hoffen, daß Sie auch den Empfohlenen zu Theil werde, bei welcher Gelegenheit Sie sich auch meiner erinnern möchten, der ich noch mit Freude an jene Tage in Weimar zurückdenke". Unterzeichnet "Dr. Robert Schumann". Am 1. August 1840 hatte das Gericht die Erlaubnis zur Eheschließung erteilt (gegen den Willen von Claras Vater). Clara begab sich gemeinsam mit ihrer Tante Emilie Carl, der Schwester ihrer Mutter auf die Konzertreise durch Thüringen. Schumann holte sie in Weimar ab und die kirchliche Trauung fand am Vorabend von Claras 21. Geburtstag am 12. September in der Gedächtniskirche Schönefeld bei Leipzig statt.

Objekt des Monats März 2020

  

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin
(geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, gestorben am 7. Juni 1843 in Tübingen)

Friedrich Hölderlin erschuf mit seinem „Hyperion“ eine der größten Dichtungen deutscher Sprache. Der bereits 1792 in Tübingen begonnene und in Waltershausen umgearbeitete Roman liegt hier in seiner endgültigen Fassung vor, die jedoch erst nach Hölderlins Liebesbeziehung zu Susette Gontard abgeschlossen wurde, die das Modell für die Diotima in seinem Briefroman wurde. In das Widmungsexemplar an sie schrieb er: „Wem sonst als Dir“ und im beiliegenden Brief: „Hier unser Hyperion, Liebe! Ein wenig Freude wird diese Frucht unserer seelenvollen Tage Dir noch geben. Verzeih mirs, Daß Diotima stirbt. Du erinnerst dich, wir haben uns ehemals nicht ganz darüber vereinigen können. Ich glaubte, es wäre, der ganzen Anlage nach, nothwendig. Liebste! alles was von ihr und uns, vom Leben unseres Lebens hie und da gesagt ist, nimm es wie einen Dank, der öfters um so wahrer ist, je ungeschikter er sich ausdrükt …“

 

Erstausgabe von Friedrich Hölderlin: Hyperion oder der Eremit in Griechenland

 

HÖLDERLIN, F.: Hyperion oder der Eremit in Griechenland. 2 Bände in 1, Tübingen, J. G. Cotta 1797-99. 160 S.; 124 S. Vereinzelt geringfügig stockfleckig. Alter Name auf Titel und im Vorsatz. Vorsatzblätter unauffällig erneuert. Grünes Lesebändchen. Gutes Exemplar. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung. Ecken geringfügig bestoßen.

20.000,-

Seltene Erstausgabe von Hölderlins Erstlingswerk. - Bruchstücke aus dem Roman erschienen 1794 erstmals in Schillers Zeitschrift "Neue Thalia". - "Die Dichte, in der sich poetische Sprache und geschichtsphilosophische Argumentation, Zeitkritik und religiöse Metaphorik verbinden, macht die Einzigartigkeit dieses Textes in der deutschen Literatur aus". (KNLL 7, 930). Auf Hölderlins Wunsch wurde das Buch in Antiqua in der Hopferschen Druckerei in Tübingen gedruckt. Man vermutet, dass sich die Auflage auf lediglich 300 bis 350 Exemplare belief. – Goedeke V, 471, 1; Stuttgart Hölderlin-Ausgabe 8, 349.

Objekt des Monats Januar 2020

  

Zum 264. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart
(geboren am 27. Januar 1756 in Salzburg, gestorben am 5. Dezember 1791 in Wien)

Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart, wie sein vollständiger Name lautete, komponierte seit seiner Kindheit über 600 Werke. Die „Entführung aus dem Serail“ wurde am 16. Juli 1782 am Wiener Burgtheater unter der Leitung des erst 26-jährigen Komponisten uraufgeführt und veranlasste den kaiserlichen Auftraggeber Joseph II. zu dem Ausspruch „zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“, worauf dieser ironisch erwiderte: „gerade so viel Noten, Euer Majestät, als nötig sind“.

 

Erstausgabe des Klavierauszugs des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart.: Die Entführung aus dem Serrail

 

MOZART, W. A.: Die Entführung aus dem Serrail [!]. Ein komisches Sing=Spiel in drey Aufzügen, Die Musick ist von dem vortrefflichen Herrn Mozart, und Der Klavier=Auszug von Herrn Abbé Starck. [KV 384]. Mainz, B. Schott (PlattenNr. 44) [nach 1785]. Quer-Quart, Gestochener Titel, 134 S. Titel mit verblichenem alten Namenszug. Nahezu fleckenfrei. 2 Bl. mit kleinen Randläsuren. Bindung etwas gelockert. Guter Abzug. Pappband.

- verkauft -

Erstausgabe des Klavierauszugs mit dem hübschen Titelblatt. Frühe Verlagsproduktion der Firma B. Schott in Mainz. - Um den Absatz der Oper schnell zu steigern, wurden die Arien mit eigenen Titelblättern versehen und einzeln verkauft. Je nach  Bedarf wurden die Einzelnummern auch wieder zu einem kompletten Klavierauszug zusammengefasst und verkauft. - Unser Exemplar mit den Merkmalen des 3. bis 5. Abzugs (vgl. Haberkamp S. 177 ff.). - "Bei dem vorliegenden Klavierauszug der Oper handelt es sich bereits um die 2. Ausgabe. Die etwas verworrenen Zusammenhänge versucht E. Laaff zu klären: 1783 hatten sowohl Schott in Mainz als auch Götz in Mannheim unabhängig voneinander einen Klavierauszug herausgebracht. Er beruhte auf Kopien, die J.F.X. Starck in Wien, wohl ohne Wissen Mozarts, angefertigt und den beiden Verlagen verkauft hatte. Leopold Mozart forderte von beiden die Stichplatten und die Zurückziehung der Exemplare und verklagte sie schließlich vor Gericht, nachdem die Verleger die Forderungen zurückgewiesen hatten. Nach Starcks Aussage vor Gericht hatte W. A. Mozart ihm jedoch ausdrücklich die Kopierung und Verbreitung erlaubt. Leopold Mozarts Klage wurde daher abgewiesen. Nach Laaff war bereits 1784 die erste Auflage des Klavierauszugs vergriffen und bei einer Neuauflage wollten Mozarts sich sogar selbst beteiligen. Exemplare der 1783 erschienenen Klavierauszüge bei Schott und Götz sind bisher nicht nachweisbar. Das frühe Erscheinen des Schott-Drucks hatte auch Mozarts Arbeit an einem Klavierauszug jäh beendet, der bei Torricella in Wien herauskommen sollte" (Haberkamp I, 179 f.). - Haberkamp I, 178ff; Slg. Hoboken Bd. 11, 140.

Objekt des Monats Dezember 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane
(geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, gestorben am 20. September 1898 in Berlin)

Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

Theodor Storms 36. Geburtstag fiel in seinen dreiwöchigen Aufenthalt in Berlin im September 1853. Bevor Storm Ende 1853 nach Potsdam zog, war er von Theodor Fontane bereits als Mitarbeiter des belletristischen Jahrbuchs „Argo“ gewonnen worden, das Fontane zusammen mit Franz Kugler herausgab. Im ersten Band, der Ende 1853 erschien, erschienen neben der Erzählung „Ein grünes Blatt“ auch mehrere Gedichte Storms, unter anderem „Abschied“, „Trost“, „Mai“ und „Nachts“. Theodor Fontanes Willkommensgedicht ist neben dem Geburtstagsgruß auch die Antwort auf Theodor Storms bekanntes Oktoberlied von 1848 („Der Nebel steigt, es fällt das Laub …“), in dem er zahlreiche Textpassagen und Wörter aufnimmt und in seinen eigenen Kontext stellt. – Ein wunderbares Dokument dieser besonderen literarischen Freundschaft.

Autographen: Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

 

FONTANE, Theodor [1819-1898]: Eigenhändige Gedichtabschrift: "Oktoberlied zum 14. September 1853". Ohne Ort, [um 1853]. Großoktav. 1 1/4 Seiten. Ein Wort mit minimalem Buchstabenverlust. Knickfalten.

€ 7.200,-

Das Gedicht entstand zu Theodor Storms 36. Geburtstag, den er gemeinsam mit seinen Freunden, den Herausgebern (Fontane und Kugler) und Mitarbeitern des belletristischen Jahrbuchs "Argo", in Berlin feierte. Storm schildert in einem Brief an seine Frau ausführlich, wie das Fest verlief "... Fontane zog natürlich wieder ein langes Gedicht aus der Tasche ...". Das Geburtstagsgedicht enthält viele persönliche Elemente und stellt zugleich einen Willkommensgruß für den schleswig-holsteinischen Dichter in Berlin dar. - Vorliegende Gedichtabschrift mit kleinen Textabweichungen in der 1., 2. und 5. Strophe, vgl. Ges. Werke 6, 323.

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