Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats August 2019

  

Zum 270. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
(geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar)

Im Jahre 1791 gründete Carl August von Sachsen-Weimar das Weimarer Hoftheater und übertrug die Leitung desselben an Johann Wolfgang von Goethe, der diese bis 1817 innehatte. Die vormals adelige Laienspieltruppe des Liebhabertheaters wurde von Goethe durch ein professionelles Ensemble ersetzt. Zudem pflegte er eine enge Zusammenarbeit mit den Autoren, die auch Einfluss auf die Inszenierungen nehmen durften. Der Eröffnungsaufführung am 7. Mai 1791, Ifflands „der Jäger“, folgten in den 26 Jahren unter Goethes Intendanz, weitere 4.805 Aufführungen von Schauspiel und Musiktheater.


Johann Wolfgang von Goethe Handschriftlicher Wochenarbeitsplan

 

GOETHE, Johann Wolfgang von [1749-1832]: Handschriftlicher Wochenarbeitsplan für Schauspieler und Mitarbeiter des Weimarischen Hoftheaters mit eigenhändiger Unterschrift: "J.W.Goethe". Weimar, 18. April 1816. 32,6 x 20 cm. Etwas fleckig. Verso mit Montagespuren.

- verkauft -

Dieses interessante, seltene Schriftstück aus Goethes letztem Jahr als Intendant des Weimarer Hoftheaters enthält dessen Anweisungen der "Wöchentlichen Beschäftigung" für die Schauspieler und anderen Mitarbeiter des Theaters von Montag, den 22. April bis Samstag, den 27. April 1916:

"Montag, den 22ten April 1816; frühe um 10. Uhr Probe von dem Lustspiel: die Brandschätzungen um 11 Uhr von der Nacht im Walde. Am Abend die Vorstellung daran - Dienstag, den 23. ej[us]: frühe um 10. Uhr, und Nachmittag um 4. Uhr Clavierprobe von der Oper. Theodor. - Mittwoch den 24ten ej: frühe um 10. Uhr Probe; am Abend die Vorstellung von dem Schauspiel: Reue und Ersatz [durchgestrichen und seitlich korrigiert zu: Des Hasses und der Liebe Rache]. - Donnerstag den 25ten ej: frühe um 10. Uhr Clavier[probe]; Nachmittag um 4. Uhr Quartettprobe zu König Theodor (...)

Die hier genannten Theaterstücke des seinerzeit sehr beliebten August von Kotzebue und das Singspiel „König Theodor in Venedig“ Giovanni Paisiello bilden nur einen kleinen Teil des vielfältigen und facettenreichen Programms ab, mit dem Goethe den Geschmack des breiten Publikums in Weimar zu treffen wusste.


Objekt des Monats Juni 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach
(geboren am 20. Juni 1819 in Köln, gestorben am 5. Oktober 1880 in Paris)

Jacques Offenbach, einer der bedeutendsten Musikdramatiker der musikalischen Romantik, hat ein umfangreiches Werk von über 600 Partituren, darunter allein 141 Bühnenwerke hinterlassen. Jenseits der bekannten und beliebten Melodien wie „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ oder „Barcarole“, war der wohl größte Violoncellovirtuose seiner Zeit auch Komponist zahlreicher Melodien und Romanzen, die heute weitgehend unbekannt sind. Unsere beiden Objekte repräsentieren zwei dieser spannenden, unbekannten Werke.


Jacques Offenbach - Bagatelle

 

OFFENBACH, J.: Bagatelle. Opera Comique en Un acte de H. Crémieux et E. Blum. Partition Chant et Piano arrangée par L[éon]. Roques. Paris, Choudens (VerlagsNr. A.C. 2850) [1874]. Folio. 64 S. Titelblatt mit eigenhändiger Widmung Offenbachs. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

- verkauft -

Seltene Erstausgabe des Klavierauszugs mit eigenhändiger Widmung Offenbachs auf dem Titelblatt "16. Xbre [Decembre 18]74". Die Uraufführung der 25minütigen Beziehungsoperette fand im Mai 1874 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris statt. Die Handlung dieser Verwicklungskomödie ist schnell erzählt: Der junge Geck Georges Plateville sucht die Bagatelle genannte Café-Concert-Sängerin in ihrer Wohnung auf. In der Hoffnung, sie sich gewogen zu machen, versperrt er alle Türen und versteckt die Schlüssel. Er hat nicht mit dem wachsamen Auge von Pistache gerechnet, einem Klarinettisten, der sich - voller amouröser Absichten auf Bagatelles Dienerin Finette - gleichfalls in die Wohnung geschlichen hat. Letztendlich finden sich natürlich beide Paare. - CPM 43, 173; Lesure II, 107 f.


Jacques Offenbach - Eigenhändiges Musikmanuskript  

OFFENBACH, Jacques [1819-1880]: Eigenhändiges Musikmanuskript mit eigenhändigem Namenszug am Schluß. Ohne Ort und, ohne Datum. Quer-Folio. 1 Seite Blatt oben angesetzt. 20zeilig. Kleine Rasuren, angerändert.

€ 4.500,–

Schönes Musikmanuskript einer Arie in A-dur für eine Gesangsstimme mit Klavier, die offenbar für eine der zahlreichen "operas bouffes" komponiert wurde. Text und Musik mit Tierstimmen, wie dem Kuckuck (cou cou), der Ente (quoi, quoi) oder der Katze (miau, miau) folgen einer lang ausgedehnten Coda, mit der das Stück auch abschließt.

Objekt des Monats Mai 2019

  

Zum 135. Todestag von Friedrich Smetana
(geboren am 2. März 1824 in Litomysl (Leitomischl), gestorben am 12. Mai 1884 in Prag)

Franz Liszt war für Friedrich Smetana Autorität, Vorbild und in späteren Jahren auch Ratgeber. Ihre Verbindung mündete, nach vielen persönlichen Begegnungen, in eine Freundschaft sich gegenseitig respektierender Künstler. Bei Begegnungen in Weimar 1857 und 1859 stellten sie sich gegenseitig ihre Werke vor und Smetana bearbeitete auf Anraten des Älteren das Trio g-Moll und seine ersten beiden Symphonischen Dichtungen „Richard III“ und „Wallensteins Lager“. Im Herbst 1874 traf Smetana mit dem Verlust seines Gehörs ein tragisches Schicksal. Trotz seiner Gehörlosigkeit entstanden gerade in der letzten Dekade seines Lebens viele seiner Meisterwerke, wie die Symphonische Dichtung „Ma Vlast“ (Mein Vaterland), die er seiner Heimatstadt Prag widmete.


Musikautographen - Dankesbrief von Friedrich Smetana

 

SMETANA, Bedrich [1824-1884]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift. Jabkenice, 23. Mai [1]880. Oktav. Doppelbogen. 3 1/2 Seiten. Am oberen Blattrand braunfleckig. Papierbedingt leicht gebräunt.

€ 25.000, –

Sehr persönlicher Dankesbrief an den "Hochgefeierten Meister" und "Allverehrten Freund" Franz Liszt. Liszt hatte veranlasst, das Smetanas 1876 entstandenes erstes Streichquartett "Aus meinem Leben" (e-Moll) am 15. Mai 1880 in Weimar mit Augustin Kömpel als Konzertmeister aufgeführt wurde. "Es ist wohl nicht schwer die Idee zu errathen, die mich bei der Arbeit dieses Quartetts leitete. Es sind Erinnerungen, gedrungen empfunden, 'aus meinem Leben' in Kunst und Leben. Nur auf eine Stelle erlaube ich mir zu deuten, es ist im Finale - (welches nebenbei gesagt, die nationale Richtung in jüngster Zeit in meiner Kunst anzeigen soll) - wo das 4gestrichene E pfeiffend in der höchsten Lage der Primvioline einige Takte hindurch tönt".

Smetana schildert nun ausführlich den Ausbruch seiner Taubheit im Jahr 1874. "Dies glaubt ich mir erlauben zu dürfen um die Katastrofe meines Schicksals anzudeuten, wohl des traurigsten Schicksals für den Musiker, des Verlustes seines Gehörs! So nämlich fing meine Krankheit an. Es war gerade kein E, sondern der Sextakkord in As: c, es, as, in der höchsten Lage, welcher Akkord tagtäglich zur bestim[m]ten Stunde des Abends, meist zwischen 6-7 Uhr, oft eine Stunde lang, ununterbrochen in schrill tönen der Art mich bis zum Wahnsinn verfolgte. Als ich bald nachher völlig taub geworden bin, verlor sich auch dieser Assklang im Ohre für immer, um einem ewig dauernden Sausen und Brausen Platz zu machen. Ich habe daher den Beginn meines jetzigen traurigen Zustandes - die Katastrofe meines Schicksals - andeuten zu müssen geglaubt, hier freilich in der Tonart E, und dies der Grund jener Stelle im Finale mit dem pfeiffenden 4gestr. E. Ich bedauere, dass der Verleger sich mit der Herausgabe des Textes zu meinem Cyclus symphonischer Dichtungen "Vlast" [Vaterland] verspätet hat. Sowie sie werden erschienen sein, werde ich mich beeilen, sie nachzusenden". - Zum Schluß bittet er den "Meister", ihn auf seiner nächsten Reise durch Prag zu besuchen. Nach dem Ausbruch seiner Krankheit zog sich Smetana 1876 weitgehend aus dem öffentlichen Leben in Prag zurück. Er zog zu seiner Tochter Sophie aufs Land nach Jabkenice. "Die Taubheit hat Smetanas musikalisches Vorstellungsvermögen und seine Schaffenskräfte keineswegs gelähmt. Ganz im Gegenteil, im letzten Jahrzehnt seines Lebens konzentrierte er sich intensiv aufs Komponieren. Zu jener Zeit entstand die Mehrzahl seiner größten Werke" (Smetana- Aust.Kat. Prag 1998, S. 104). - Nicht gedruckt in: Briefe und Erinnerungen.


Objekt des Monats April 2019

  

Zum 260. Geburtstag von August Wilhelm Iffland
(geboren am 19. April 1759 in Hannover, gestorben am 22. September 1814 in Berlin)

August Wilhelm Iffland war ein begnadeter Schauspieler, Intendant und Dramatiker. Er verfasste unzählige populäre Bühnenwerke, die seinerzeit sehr beliebt waren, heute aber nahezu vergessen sind. Als Schauspieler erlebte Iffland seinen ersten Triumph 1792 in Mannheim in der Rolle des "Franz Moor" in Friedrich Schillers "die Räuber" und gastierte an allen bedeutenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. 1796 wurde er zum Direktor des Berliner Nationaltheaters ernannt, ab 1811 war er Generaldirektor der Königlichen Theater. Unter seiner Leitung entwickelte sich Berlin zu einer der führenden Theaterstädte Deutschlands.


Autographen - Brief von Wilhem Iffland

 

IFFLAND, August Wilhelm [1759-1814]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, Ort und Datum. Berlin, 21.6.1808. Quart. 5 Seiten. Mit schwarz-gelber Seidenschnur geheftet. Papier an der Heftung etwas eingerissen. Teils etwas fleckig.

€ 2.100, –

Umfangreicher Brief an einen österreichischen Regierungsbeamten, wegen eines Gastspiels in Wien. Er habe "von den Französischen Autoritäten" von August an sieben Wochen Urlaub erhalten und bittet den Empfänger, vor allem seine Gage mit der "Direction des Kaiserlichen Theaters" zu klären. " ... Ich stehe nicht in der Lage, bloß meiner Neigung zu folgen. Die Schicksale die uns betrofen, fordern Bemeßung, diese Wahrheit und daß es allenfalls bekannt ist, daß ich nicht geitzig bin, wird mich in gehöriges Licht stellen. Für nähmliche Rollenzahl, habe ich in Leipzig und Hamburg, zu meinem stets gewöhnlichen Acorde, zwanzig Stück Friedrichsd'ors für die Rolle, Anerbieten, welche auf kürzerenWege, in kürzerer Zeit, bei geringeren Kosten, zu erfüllen wären. Neigung und Dankbarkeit führen mich Wien zu, wenn der Erfolg, nur einigermaaßen mit der Anstrengung im Gleichgewicht stehen kann. Zu dem Ende muß ich proponiren für jede der zwanzig Rollen auf dem Burg und Kärnthner Thor Theater, statt der Einhundert und Fünfzig Gulden Wiener Banco, dreißig Stück Kaiserliche Dukaten, in natura empfangen. - Die Einnahme für meinen Vortheil, kann schicklicher Weise, nicht die erste Einnahme des Tages wo ich zum Erstenmahle spiele, sein. Ich würde dazu, ein neues Stück mir erbitten und mag es dann, eine Vorstellung in der Mitte der Zeit meines dort seins werden". Im nächsten Abschnitt geht er "ueber die Vorstellungsverhältnisse im dritten Theater (an der Wieden)" ein. "... Um Zeitverlust zu meiden, benenne ich indeß einige Stücke, darin ich spielen könnte ...". Es folgt eine Liste mit 16 Stücken mit Nennung der jeweils von Iffland selbst gespielten Rollen, z. B. "Emilia Galotti - Marinelli".


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