Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats November 2019

  

Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart
(geboren am 14. November 1719 in Augsburg, gestorben am 28. Mai 1787 in Salzburg)

Leopold Mozart komponierte zahreiche Sinfonien, Oratorien und Divertimenti, die er jedoch nicht drucken ließ, weshalb sie heute größtenteils verloren sind. Er war sowohl mit der alten als auch mit der neuen Musiktheorie bestens vertraut. Seine Violinschule, ein modernes, systematisch und didaktisch gut aufbereitetes Lehrwerk, dem rasch eine zweite und dritte Auflage folgte, ist jedoch der Nachwelt erhalten geblieben. Eine holländische und französische Übersetzung sorgten schnell für internationale Verbreitung. Die Violinschule des Vaters galt als Basis für Wolfgang Amadeus Mozarts musikalische und ästhetische Erziehung.
Das wichtigste Lehrbuch für Geigenspiel seiner Zeit.

Originalausgabe von Leopold Mozart - Versuch einer gründlichen Violinschule

 

MOZART, Leopold: Versuch einer gründlichen Violinschule, entworfen und mit 4 Kupfertafeln sammt einer Tabelle versehen. Augsburg, J. J. Lotter 1756. Klein Quart. Frontispiece, 8 Bl., 264 S. mit zahlr. Notenbeispielen, 4 Bl. Register, 3 Tafeln in Kupferstich, eine gefaltete Tabelle in Typendruck. Sehr früher Abdruck, noch ohne das Blatt "Errata". Etwas stockfleckig. Halblederband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.

- verkauft -

Originalausgabe des berühmten Lehrwerkes. Im Jahr der Geburt des Sohnes Wolfgang Amadeus erschienen. "Die Anordnung des Lehrstoffes ist musterhaft und da er [Mozart] kein Vorbild hatte: genial (Eitner). Das Werk geht über den Rahmen einer reinen Instrumentallehre ebenso hinaus, wie die Flötenschule von Quantz und C. P. E. Bachs "Versuch ... das Clavier zu spielen". Als Schule des Vortrags ist diese Violinschule zu einer Hauptquelle für die Beurteilung der damaligen Aufführungspraxis geworden. Das dekorative Frontipiece in Kupferstich von J. A. Friedrich nach G. Eichler stellt Leopold Mozart dar; vgl. seinen Brief vom 29.12.1755 in dem er bestätigt, dass er für das Porträt Model gestanden hat. - Hirsch I. 419; Wolffheim I, 861; Reinfurth Nr. 188.

Objekt des Monats Oktober 2019

  

Zum 260. Geburtstag von Georges Danton
(geboren am 25. Oktober 1759 in Arcis-sur-Aube, hingerichtet am 5. April 1793 in Paris)

Der Name Georges Danton ist untrennbar mit der Französischen Revolution verbunden. Der Rechtsanwalt und radikale Verfechter der Republik war ein begnadeter Redner und in der Zeit vom 6. April bis 10. Juli 1793 als erster Vorsitzender des Wohlfahrtsausschusses für den Terror verantwortlich, dem er später selbst zum Opfer fiel. Vom 10. August bis zum 9. Oktober 1792 war er zudem der erste Justizminister der Republik. Als er sich für Friedensverhandlungen mit dem Ausland aussprach und die Terrorherrschaft beenden wollte, wurde er von Maximilian Robespierre gestürzt, der ihm Verrat an der Revolution vorwarf. Georg Büchner setzte dem Revolutionär mit seinem 1835 veröfffentlichten Drama “Dantons Tod“ ein bleibendes Denkmal.


Danton Brief von Schreiberhand

 

DANTON, Georges [1759-1794]: Brief von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift. Paris, L'an 10. IX. 1792 / L'an 4e de La Liberté et Le Premier de Légalité. Folio. 2/3 S. auf starkem, bläulichem Papier. Knickfalten.

€ 1.800,-

Schreiben des Französischen Revolutionärs und Justizministers an Jacques Reverchon [1750-1818], Deputé de Saône-et-Loire: "J'ay recue, Monsieur, votre Lettre sans datte que vous M'avés adressée au Sujet de M. Massicot administrateur au departement de Macon, j'ecris en consequence au Commisaire du pouvoir executif près Le tribunal pourqu'il Me donne Les renseignements Necessaires dans Cette affaire des que je Les aurai recu, j'aurai L'honneur de vous repondre d'une maniere precise." Unterschrieben mit Le Ministre De La justice Danton.

Jacques Reverchon wurde 1791 in die gesetzgebende Versammlung gewählt und 1792 von den Wählern des Departements Saône-et-Loire zum Abgeordneten des Konvents. Er war Mitglied im Rat der Fünfhundert und wurde im fünften Jahr der Revolution zum Administrator seines Departements ernannt. Während des Prozesses gegen Ludwig XVI. sprach er sich "für den Tod ohne Aufschub" aus. - Das Schreiben Dantons entstand wenige Tage nach den zwischen dem 2. und 6.9.1792 stattfindenden, von ihm initiierten Septembermorden, bei denen 1.200 inhaftierte Revolutionsgegener massakriert wurden. Am 21. September 1792 wurde das Königtum in Frankreich abgeschafft.

Objekt des Monats September 2019

  

Zum 360. Geburtstag von Henry Purcell
(geboren am 10. September 1659 in Westminster, London, gestorben am 21. November 1695 ebenda)

Henry Purcell galt als einer der bedeutendsten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts und als er 1695 im Alter von nur 36 Jahren verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Er diente als Komponist und Organist unter den drei Königen Charles II., James II. und William III, für die er zahlreiche Oden und Anthems für Soli, Chor, Orchester und Orgel sowie andere Gelegenheitswerke komponierte. Daneben entstanden eine große Anzahl von Liedern, Kanons, Fantaisies für Streicher, zwölf Triosonaten und zehn Sonate a Quatro im italienischen Stil, die jedoch erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Ab seinem 30. Lebensjahr wandte er sich der Bühnenmusik zu, komponierte die Oper „Dido und Aeneas“ und mehrere Ballettopern, davon alleine drei in seinem Todesjahr. Seine Schauspielmusik zu „The Fairy Queen“, eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“, wird auch heute noch aufgeführt. Aufgrund seines großartigen Oeuvres wurde ihm der Titel „Orpheus Britannicus“, also „Britischer Orpheus“ verliehen, angelehnt an Orpheus, den Dichter und Sänger aus dem alten Griechenland.


Henry Purcell: Orpheus Britannicus

 

PURCELL, H.: Orpheus Britannicus. A Collection of all The Choicest Songs. For One, Two, and Three Voices ... Together, With such Symphonies for Violins or Flutes, As were by Him design'd for any of them: And A Through-Bass to each Song. Figur'd for the Organ, Harpsichord, or Theorbo-Lute. The Third Edition with Large Additions; and placed in their several Keys according to the Order of the Gamut. 2 Bände in 1. London, W. Pearson for S. H. 1721. Folio. Titel, 1 Bl. Widmung, VI S., 286 S.; Titel, 1 Bl., II, 204 S. Titel jeweils in Rot und Schwarz. Goldschnitt, Ex Libris und handschriftlicher Besitzvermerk auf dem Vorsatzpapier sowie auf dem Titel. Marmorierte Vorsätze mit Goldfileten. Kleiner Riss weißen Rand von Titel Bd. 1 unauffällig repariert. Wenige, unauffällige Marginalien von alter Hand. Lederband des 18. Jahrhunderts, Gelenke restauriert. Rücken mit Goldprägung..

- verkauft -

Gutes Exemplar der seltenen und umfangreichsten Ausgabe. Diese Sammlung enthält die schönsten weltlichen Gesänge von Purcell, komponiert für ein bis drei Stimmen, die erstmals 1698 erschienen sind. Zu der posthum erschienenen Ausgabe steuerten Freunde und die Witwe Purcells zahlreiche Kompositionen bei, die hier erstmals im Druck vorliegen. - Ohne das Porträt. - Exlibris von Peter Calvocoressi. - RISM VIII, P 5980; BUC 859.

Objekt des Monats August 2019

  

Zum 270. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
(geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar)

Im Jahre 1791 gründete Carl August von Sachsen-Weimar das Weimarer Hoftheater und übertrug die Leitung desselben an Johann Wolfgang von Goethe, der diese bis 1817 innehatte. Die vormals adelige Laienspieltruppe des Liebhabertheaters wurde von Goethe durch ein professionelles Ensemble ersetzt. Zudem pflegte er eine enge Zusammenarbeit mit den Autoren, die auch Einfluss auf die Inszenierungen nehmen durften. Der Eröffnungsaufführung am 7. Mai 1791, Ifflands „der Jäger“, folgten in den 26 Jahren unter Goethes Intendanz, weitere 4.805 Aufführungen von Schauspiel und Musiktheater.


Johann Wolfgang von Goethe Handschriftlicher Wochenarbeitsplan

 

GOETHE, Johann Wolfgang von [1749-1832]: Handschriftlicher Wochenarbeitsplan für Schauspieler und Mitarbeiter des Weimarischen Hoftheaters mit eigenhändiger Unterschrift: "J.W.Goethe". Weimar, 18. April 1816. 32,6 x 20 cm. Etwas fleckig. Verso mit Montagespuren.

- verkauft -

Dieses interessante, seltene Schriftstück aus Goethes letztem Jahr als Intendant des Weimarer Hoftheaters enthält dessen Anweisungen der "Wöchentlichen Beschäftigung" für die Schauspieler und anderen Mitarbeiter des Theaters von Montag, den 22. April bis Samstag, den 27. April 1916:

"Montag, den 22ten April 1816; frühe um 10. Uhr Probe von dem Lustspiel: die Brandschätzungen um 11 Uhr von der Nacht im Walde. Am Abend die Vorstellung daran - Dienstag, den 23. ej[us]: frühe um 10. Uhr, und Nachmittag um 4. Uhr Clavierprobe von der Oper. Theodor. - Mittwoch den 24ten ej: frühe um 10. Uhr Probe; am Abend die Vorstellung von dem Schauspiel: Reue und Ersatz [durchgestrichen und seitlich korrigiert zu: Des Hasses und der Liebe Rache]. - Donnerstag den 25ten ej: frühe um 10. Uhr Clavier[probe]; Nachmittag um 4. Uhr Quartettprobe zu König Theodor (...)

Die hier genannten Theaterstücke des seinerzeit sehr beliebten August von Kotzebue und das Singspiel „König Theodor in Venedig“ Giovanni Paisiello bilden nur einen kleinen Teil des vielfältigen und facettenreichen Programms ab, mit dem Goethe den Geschmack des breiten Publikums in Weimar zu treffen wusste.


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