Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats November 2017

Eigenhändiger Brief von Wilhelm Hauff

 

Zum 190. Todestag von Wilhelm Hauff

(geboren am 29. November 1802 in Stuttgart, gestorben am 18. November 1827 ebenda) 

Wilhelm Hauff war einer der berühmtesten Märchenerzähler der Spätromantik. In seinem nur 25 Jahre währenden Leben schuf er noch heute beliebte Märchen wie „Zwerg Nase“, „Kalif Storch“, „der kleine Muck“ oder “das kalte Herz“.

Nach seinem Vorbild Walter Scott begründete Wilhelm Hauff den historischen deutschsprachigen Roman. Sein berühmtestes Werk, die Sage „Lichtenstein“ um den Württembergischen Herzog Ulrich veranlasste Wilhelm, Graf von Württemberg, in den Jahren 1840-42 auf den Ruinen der alten Burg eine Ritterburg im Stil des Mittelalters zu erbauen. In der Verlagsankündigung von „Lichtenstein“ des Verlegers Franckh in Stuttgart am 3. Januar 1827 stellt er Hauff als „neuesten Lieblingsdichter“ dar und damit auf eine Stufe mit dem überaus erfolgreichen Walter Scott.

„Der schwäbische Walter Scott“ bietet im Dezember 1826 dem Verleger Friedrich Brockhaus sechs Beiträge für die „Blätter für literarische Unterhaltung“ an. Am 5. Januar und am 20. Februar bittet Brockhaus Hauff ihm endlich den angebotenen Aufsatz über das „Leben Napoleons“ von Walter Scott zu übersenden. Wilhelm Hauff antwortet jedoch erst am 20. März mit folgendem Brief:

HAUFF, Wilhelm [1802-1827]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift "Dr. Wilh. Hauff". Stuttg[art], 20. III. [18]27. Groß-Quart. 1 Seite. Leicht gebräunt. Mit Siegelrest und Blattausriß durch Siegelbruch (ohne Textverlust). Poststempel.

€ 15.000,–-

Von größter Seltenheit - aus seinem Todesjahr. - Brief an den Verleger Friedrich Brockhaus in Leipzig bei dem Hauff sich für seine bisher nicht gelieferte Rezension von Walter Scotts "Leben Napoleons Bonapartes" für die "Blätter für literarische Unterhaltung" rechtfertigt. "... Klagen Sie nicht mich an ..., sondern wälzen Sie in Gottes Namen alle Schuld auf Treutel und Würz in London. Es ist eine ärgerliche Geschichte. In meinem Pult liegt eine vollständige Recension über die 4 ersten Bände von W. Scotts 'Napoleons Leben' bereit, die ich gleich Anfangs für Ihr Blatt bestimmt habe. Nun hat der Franckh (Verleger), der Treuteln die Aushängebogen abkauft, den Vertrag eingegangen, unter keiner Art und Form, früher etwas auszugeben als das Original in London erschienen ist, denn sie wollen dort alle 7 Bände auf einmal erscheinen laßen und Europa überraschen ... Ich bekam die Aushänge Bogen ... nur unter der Bedingung, früher nichts davon druken zu laßen als biß Treutel und Würz ... ankündigen es sei so eben erschienen. Nun weiß ich nichts beßeres zu thun als mein Manuscript Ihrer Di[s]cretion zu übergeben, vorausgesezt daß Sie wollen ... dann druken Sie frisch und munter und sind immer noch der Erste in Teutschland, der eine Critik geben kann ... Noch einen anderen, freilich gewagten Vorschlag könnte ich Ihnen machen. Ich könnte die Recension in eine Briefform einkleiden, solche von London datieren und Ihrem Blatt von W. Scotts Napoleon erzählen. Freilich müßten Sie mich dann mit Ihrem Wort versichern, daß Sie mich, im Fall Treutel etc Lärm schlagen, gänzlich aus dem Spiel laßen und lieber Gott, die Welt und den Teufel belügen, als mich nennen. Schreiben Sie mir bald ...". - Starke Expansion und Aufschwung im Buchhandel führten in der Zeit zu einem erbitterten Kampf um Marktanteile. "Das Beispiel Scott führte den Verlegern vor, welche Geschäftserfolge mit geeigneter Übersetzungsliteraur zu erzielen waren" (N. Bachleitner, „Übersetzungsfabriken“. Das Deutsche Übersetzungswesen i. d. ersten Hälfte des 19. Jhdts., S. 7).

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Objekt des Monats Oktober 2017

Erstausgabe von Etienne-Nicolas Méhul: Mélidore et Phrosine

 

Zum 200. Todestag von Etienne-Nicolas Méhul

(geboren am 22. Juni 1763 in Givet/Ardennen, gestorben am 18. Oktober 1817 in Paris) 

Méhul gehörte zu einem der bedeutendsten Komponisten der Revolutionszeit und Wegbereiter der Romantik, der auch außerhalb Frankreichs große Bedeutung erlangte. Er schrieb mehr als 40 Opern.

MÉHUL, [E. N.]: Mélidore et Phrosine. Drame lyrique en trois actes. Paroles du Citoyen [Vincent] Arnauld. [Partitur mit Text]. Représenté pour la première fois sur le Théatre Lyrique de la rue Favart, le 17 Germinal, l’An second de la République Francaise. Paris, Cousineau Pere et Fils (ohne PlattenNr.) [1794]. Folio. 300 S. Titelblatt mit handschriftlicher Signatur des Verlegers. Papierbedingt etwas gebräunt. Pappband der Zeit mit farbigem Rücken- und Deckelschild.

€ 1.200,–-

Sehr seltene Erstausgabe der Partitur. Exemplar aus der Sammlung des französischen Komponisten Charles-Simon Catel (1773-1830), der zur gleichen Zeit wie Méhul am Pariser Conservatorium unterrichtete. Die Oper gilt mit ihrer Hinwendung zu Jean-Jacques Rousseaus Naturideal und ihrer Phantastik des Revolutionspathos als ein markantes Beispiel einer frühen französischen romantischen Oper. "Méhul gehört einer Komponistengeneration an, die nicht nur verschiedene Phasen der französischen Musik durchlaufen, sondern auch zu deren Ausgestaltung beigetragen haben. Die entscheidende Phase von Méhuls schöpferischer Arbeit fand in der Französischen Revolution statt, während er Werke komponierte, die unmittelbar als symbolisch für die unruhige Epoche erkannt wurden. In seinen Opern treibt er Techniken auf ihren Höhepunkt, die seine Vorgänger während der 1780er Jahre entwickelt hatten, darunter in erster Linie die Bereicherung des orchestralen Satzes" (MGG²). - Lt. Vorbesitzer kam das schöne Exemplar später in die Bibliothek von Vincent D'Indy.  - RISM M 2026; Clement/Larousse 729; nicht BSB; CPM 38,376.

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Objekt des Monats September 2017

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musikautograpen edvard grieg eigenhaendiger brief mit unterschrift 27920 versokl

 

Zum 110. Todestag des bedeutenden norwegischen Komponisten und Pianisten Edvard Grieg

(geboren am 15. Juni 1843 in Bergen, gestorben am 4. September 1907 ebenda) 

In den 1880 Jahren war Edvard Grieg einer der meist gespielten und berühmtesten Komponisten Europas. Den Norweger, der zwischen 1858 und 1862 am Leipziger Konservatorium studierte, verband neben dem Musikverlag C.F. Peters, mit dem er 1889 einen Generalvertrag schloss, auch eine Freundschaft zum Leipziger Verleger Ernst Wilhelm Fritzsch (1840-1902). „Vor der Klosterpforte“, das auf dem Gedichtzyklus „Arnljot Gelline“ von Björnstjerne Björnson basierende Werk für Chor und Orchester, war eine Komposition, die Grieg sehr schätze und häufig, sowohl in Norwegen als auch im Ausland, aufführte. Der bekannte Operndichter-Komponist Franz von Holstein übersetzte den norwegischen Text ins Deutsche.

GRIEG, Edvard [1843-1907]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Bergen, Norwegen d. 12. Juli 1887. 4 Seiten auf braunem Papier mit den gedruckten Initialen am Kopf. Papier recto etwas ausgebleicht, Knickfalten. Kleine Fehlstelle am unteren Falz ohne Textverlust.

€ 6.500,–-

Schöner, inhaltsreicher Brief an den Leipziger Verleger Ernst Wilhelm Fritzsch auf Deutsch: "Lieber Fritzsch! Hiermit folgt die Correctur. Der französische Text ist oft ganz falsch unterlegt, was ich immer durch NB. und Striche bezeichnet habe, und ich bitte nun den Stecher, ja mit der größten Sorgfalt zu verfahren. Hoffentlich folgt bald Correctur auf den Orchesterstimmen, auf der Orgelstimme, die bis jetzt immer noch fehlt, und auf den Chorstimmen. Was Du mir von dem Streichquartett schreibst, freute mich ungemein. Ich vergesse nicht leicht, wie das Werk nach der ersten Leipziger Aufführung von der Presse behandelt wurde und bin nicht bescheiden genug um nicht zu fühlen, das mir damals Unrecht geschah. Sollten jetzt liberalere Ansichten in der Leipziger Presse vertreten sein, dann wäre allerdings gerade Brodsky, der mir so sympatische Künstler, der rechte Mann. Ich bin aber in dieser Beziehung kein Sangoiniker, nachdem meine Holberg-Suite [op. 40], eine Gelegenheitsarbeit im Zopfstyl, wo jede Spur von eigener Persönlichkeit sorgfältig verdeckt erscheint, einen ebenso komischen, als für den Gewandhausgeschmack charakteristischen Erfolg zu Theil wurde. Hoffentlich hat Brodsky selbst die Aufführung des Quartetts vorgeschlagen!?

Ich hatte eine schlechte Zeit. Meine Gesundheit machte mir lange so viel zu schaffen, das ich mich zum Componieren nichts weniger als angeregt fühlte. Ende dieses Jahres - spätestens - hoffe ich dich in Leipzig begrüßen zu können. Mit freundl. Gruß dein Edvard Grieg. P.S. Die in deinem Briefe erwähnten 75 Mark habe ich dankend empfangen."
Bei dem zu korrigierenden Werk handelt es sich um op. 20 "Vor der Klosterpforte" für Frauenchor mit Orchesterbegleitung, dessen Partitur, Orchester-, Solo- und Chorstimmen bei Fritzsch bereits 1876 erschienen war. Das Werk widmete Grieg damals Franz Liszt. Im November 1888 erschien im Fritzsch-Verlag die Erstausgabe des Klavierauszugs.
Grieg spricht Fritzsch auf das g-moll-Streichquartett an, das der Verleger 1879 herausbrachte, nachdem es von Dr. Abraham vom Peters-Verlag abgelehnt worden war. Das am 30.11.1878 im Gewandhaus aufgeführte g-moll-Quartett wurde vom Kritiker Bernsdorf, wie schon 6 Jahre zuvor das a-moll-Konzert, völlig zerrissen. Die Bedeutung des Werkes war indes Franz Liszt klar, der es als "ungewöhnliches und vorzügliches Werk" lobte.

Der russische Geiger Adolf Brodsky brachte am 10.12.1887 die Griegsche c-Moll Sonate im Neuen Gewandhaus zur Uraufführung, die ein großer Erfolg wurde. Im Februar 1888 trat das Brodsky-Quartett mit dem g-moll-Streichquartett auf und dieses Mal wurde es ein großer Triumph für den Komponisten. - So lange und inhaltsreiche Briefe sind eine Seltenheit bei Grieg.

Als Beilage ein ovales Porträt Griegs (16x12 cm).

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Objekt des Monats Juli 2017

Richard Strauss 16528 Einband bearbeitet 1 kl
Richard Strauss 16528 vortitel bearbeitet 1 kl
Richard Strauss 16528 titel bearbeitet 1 kl
Richard Strauss 16528 straeusslein kl

 

Zum 175. Todestag von Clemens Brentano

(geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein [heute: Koblenz], gestorben am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg) 

Im Jahre 1918 begann Richard Strauss sich wieder intensiv mit der Liedkomposition zu beschäftigen. Die „Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano“ waren zweifelsfrei seine beste Leistung in diesem Jahr. Ein Anstoß zu dieser Komposition mag die Begegnung mit Elisabeth Schumann im vorangegangenen Jahr gewesen sein, die ihm mit ihrem lyrischen Sopran die ideale Interpretin seiner Lieder schien und der er das vorliegende Werk widmete. Beim Komponieren ließ sich Strauss von den Gedichten selbst inspirieren. Er schäftigte sich 1918 sowohl mit der Prosa als auch mit der Lyrik Clemens Brentanos, bei den sechs Liedern nahm er sich die Originaldichtungen als Vorlage. Mit „An die Nacht“, „Ich wollte ein Sträusslein binden“, „Säusle liebe Myrthe“, „Als mir Dein Lied erklang“, „Amor“ und „Lied der Frauen“ schuf Strauss neben den virtuosesten Gesangspartien auch eine grandiose Klavierbegleitung.

STRAUSS, R.: Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano. [Op. 68]. [TrV 235]. Berlin, A. Fürstner [1920]. Imperial-Folio. 65 Bl., mit 7 ganzseitigen Radierungen. Mit eigenhändigem Namenszug des Komponisten. Reizend illustrierter Original Halblederband.

- verkauft -

Wundervolles, nummeriertes Exemplar der Vorzugsausgabe, die in einer einmaligen Auflage von sechzig auf handgeschöpftem Büttenpapier gedruckt wurde. Den Einband, die Kupfer und die Vignetten zeichnete der in Berlin arbeitenden Illustrator Franz Christophe (1875-1946). Die Kupferdrucke stellte A. Ruckenbrod her. Die Gedichttexte, die den Kompositionen und Kupfern vorangestellt sind, setzte und druckte Otto von Holten. - Schöner Pressendruck in bestem Erhaltungszustand der erstmals 1919 ebenfalls bei Fürstner erschienen Lieder. - Trenner S. 247; Müller v. Asow S.734.

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