Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats August 2012

Leonhardt Thurneisser zum Thurn: Megale Chymia

Leonhardt Thurneisser zum Thurn: Melisath

 

Mit unserem Objekt des Monats für August 2012 möchten wir an den Astrologen, Alchimisten, Arzt und Drucker Leonhardt Thurneisser zum Thurn erinnern. Thurneisser wurde am 6. August 1531 in Basel geboren und gilt als ein Hauptvertreter der medizinischen Theorien des Paracelsus im 16. Jahrhundert. Er wirkte u.a. in Nürnberg, Konstanz, Straßburg und Berlin. Verarmt und unter ungeklärten Umständen verstarb er am 9. Juli 1596 in einem Kloster in Köln.

[THURNEISSER ZUM THURN, L.]: Megale Chymia (in Griechisch), Vel Magna Alchymia. Das ist ein Lehr und unterweisung von den offenbaren und verborgenlichen Naturen, Arten und Eigenschafften, allerhandt wunderlicher Erdtgewechssen, als Ertzen, Metallen, Mineren, Erdsäfften, Schwefeln, Mercurien, Saltzen und Gesteinen. Berlin, N. Voltz 1583. Folio. Mit breiter, figürlicher Titelholzschnittbordüre von Daniel Seidel, Holzschnittporträt und zahlr. kleineren Textholzschnitten. 6 Bl., 144 S., 6 Bl. (Index).


BEIGEBUNDEN: DERS.]: Melisath (in Hebräisch). Kai Ermeneia (in Griechisch). Das ist ein Onomasticum und Interpretatio oder außführliche Erklerung ... Uber Etliche frembde un(d) ... unbekante Nomina, Verba, Proverbia, Dicta, Sylben, Caracter, und sonst Reden. (...). Das Ander theil. Berlin, N. Voltz, 1583. Mit breiter, figürlicher Titelholzschnittbordüre von Daniel Seidel und Holzschnittporträt, 6 Bl., 188 S., ohne die meist fehlenden 8 Schrifttafeln. Die in Rot und Schwarz gedruckten Titel mit hs. Besitzvermerken alter Hand. Durchgehend etwas gebräunt, stellenweise Feuchtigkeitsspuren und etwas braunfleckig; sonst gut erhalten. Moderner Pappband mit goldgepr. Rückenschild.

- verkauft -


Die beiden wichtigsten alchemistischen Bücher des Basler Alchemisten, Astrologen, Arztes und Buchdruckers Leonhart Thurneisser zum Thurn (1531-1596) in Erstausgaben. - I: Früher Berliner Druck von Nikolaus Voltz, der die thurneissensche Druckerei von Michael Hentzke 1581 übernahm. Das Werk erschien nach Thurneissers Rückkehr nach Basel, als er mit seinen Experimenten zur Goldherstellung begann. Er hatte sich auf ausgedehnten Reisen nach England, Frankreich, Rußland, Böhmen, Ungarn, Italien, Spanien und Nordafrika mit Metallurgie und Medizin befasst, bevor er 1570 Leibarzt sowie Rat für Bergbau und Hüttenkunde am Hof des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg wurde. Die neun Teile handeln vom Schwefel, von den Salzen, vom Salmiak, Aluminium, Salpeter, vom Quecksilber sowie von der Sonne und den Planeten sowie vom Ursprung der Mineralien und Erze. - Ferguson II, 452. - II: Der selbständige zweite Teil, des auf 3 Bände geplanten alchemistischen Fremdwörterbuches, der erste Teil war 1574 erschienen, der dritte Teil erschien nicht, mit hebräischen, arabischen, persischen, griechischen, slawonischen und äthiopischen Lettern gedruckt. Ausgiebig zitiert Thurneisser aus Werken des Paracelsus "welche mit den Seitenzahlen richtig citiert werden" (Sudhoff). - Ackermann IV, 184; MNE II, 293; Rosenthal 833. - Bei E.T.A. Hoffmann fand der Schweizer Alchimist ebenfalls literarische Bedeutung: "Als Lothar die 'Brautwahl' in der Runde der Serapionsbrüder ankündigt, verweist er darauf, dass ihm für 'manche Grundzüge' seiner Erzählung das 'Microchronicon' eines gewissen 'Haffitz' als Quelle gedient habe. Dieser Titel ist keine Fiktion. Es handelt sich um eine in handschriftlicher Form überlieferte Chronik der Mark Brandenburg, die der Berliner Rektor Peter Haffitz gegen Ende des 16. Jahrhunderts verfasst hat. Man kennt sogar das von Hoffmann benutzte Bibliotheksexemplar, und auch die besagten 'Grundzüge', sprich Entlehnungen, sind nachgewiesen. Sie beziehen sich auf Passagen über die Regierungszeit des Kurfürsten Johann Georg (1571-1598), darunter die Schilderung höfischer Festivitäten und Notate zu den Berliner Jahren des Schweizer Alchimisten Leonhard Thurneisser zum Thurn, der bei Haffitz (und folglich auch bei Hoffmann) unter dem Namen 'Thurnhäuser' firmiert und als 'unverschämter Gesell' und Betrüger bezeichnet wird. Die 'Brautwahl' widerspricht dieser negativen Bewertung, was nicht überrascht, da Leonhard von Beginn der Erzählung an als positiv besetzter Charakter und alter ego des Autors (E. T. A. Hoffmann) zu fungieren hat." ( M. H. Gelber u. a., Integration und Ausgrenzung, S. 62/63).

(Bestell-Nr. 25495)

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